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Flohzirkus Birk
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Flöhe schuften in fünf Schichten

Kündigung ausgeschlossen - Nur kurzes Training - Herkules-Kräfte - Attraktion auf dem Oktoberfest

Normalerweise trainieren sie ein viertel Jahr, dieses Mal blieben nur wenige Tage. Trotz knapper Vorbereitungszeit läuft die Schau des europaweit einzigen Flohzirkus auf dem 172. Münchner Oktoberfest wie am Schnürchen.

Die Floh-Mannschaft war erst zwei Tage vor dem Start des Volksfestes aus dem Fell diverser Hunde aus dem Raum München zusammengestellt worden, nachdem die Vorgänger überraschend an einem unerklärlichen Leiden gestorben waren. Es ist der erste Auftritt der Flohzirkus nach einer mehrjährigen Pause. An einen feinen Golddraht gekettet, zieht der starke Augustin sein Karussell, der Floh mit Namen "Beckenbauer" schießt unbeirrt winzige Bälle in ein Mini-Tor. James zieht die Kutsche der Königin Elisabeth, Hans die Schmuckkarosse und der Sepp die Bayernfahne, dazu tanzt Resa das Flohballett. Plagen muss sich vor allem James, denn bei dem 50 Jahre alten königlichen Messingwagen blockieren die Achsen. Ein Goldschmied soll in den nächsten Tagen Abhilfe schaffen, damit der Floh wieder seine ganze Kraft zum Einsatz bringen kann. Flöhe können bis zum 20 000-fachen ihres eigenen Gewichts ziehen, sagt der Direktor des Flohzirkus, Robert Birk. Könnte der Mensch so weit hüpfen wie ein Floh, käme er in 17 Sprüngen um die Erde und in einem Satz auf den Mount Everest. Das Training der Artisten-Flöhe funktioniert über Licht, Schall und Wärme, berichtet Birk. Die Wärme bringt die rund 0,2 Milligramm schweren Tierchen erst einmal in Bewegung. Dann reagieren sie auf angenehme und unangenehme Reize. "Licht und Schall sind unangenehm, Dunkelheit und Ruhe sind Belohnung", erläutert Birk. Gefüttert werden die Tiere vom Direktor höchstpersönlich.

Dazu gibt er seinen Unterarm für die kleinen Blutsauger frei. Denn die Schau macht hungrig: Die Tiere verlieren dabei bis zu zwei Dittel ihres Körpervolumens. Die Flöhe arbeiten in fünf Schichten. In regelmäßigen Abständen werden zwischen den Vorstellungen die erschöpften Artisten ausgewechselt. "Sie haben dann Hunger", sagt Flohdompteurs Peter Mathes. Woran die ursprüngliche Mannschaft des Flohzirkus starb, ist unklar. Möglicherweise wurden die Schausteller-Wohnwagen vor dem Wiesn-Einsatz mit einem Desinfektionsmittel gereinigt, das die Tiere nicht vertrugen. Nach ihrem Tod hatten sich auf den verzweifelten Aufruf der Schausteller hin eine ganze Reihe hilfsbereiter Münchner Hundebesitzer gemeldet, um mit Plagegeistern aus dem Fell ihrer Zamperl dem Zirkus in Not zur Seite zu stehen. Für den Zirkus geeignet sind nur Flöhe von Hunden, Menschen und Igeln. Katzenflöhe etwa haben zu lange Hinterbeine. Insgesamt 60 Flöhe hat der Zirkus derzeit, weitere Artisten werden aber noch immer gesucht. Der Zirkusdirektor ist durchaus besorgt über die knappe Besetzung seines Teams: "Ausfallen darf niemand - sonst muss ein anderer eine Doppelschicht arbeiten."

von Sabine Dobel http://www.oberpfalznetz.de

 
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