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Flohzirkus Birk
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Der Pfaffenhofener Kurier berichtete 2005

Pörnbacher bringt winzige Flöhe beim Oktoberfest groß raus

500 Vorstellungen mit Mini-Kutschen im Flohzirkus / Spediteur hat sich in Freizeit dem Training der kleinen Insekten verschrieben

 

Pörnbacher bringt winzige Flöhe beim Oktoberfest groß raus

Manege frei

„Manege frei“, so ruft der Zirkusdirektor und sogleich tauchen die ersten „Stars“ in der Zirkusarena auf. Die mutigen Zuschauer sitzen ganz nahe an der Manege und staunen. Die etwas Ängstlicheren haben sich weiter nach hinten verkrochen, denn schließlich sind es wilde Tiere, die Zirkus auftreten. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Tier ausbricht und in den Zuschauerraum gelangt. So, oder so ähnlich beginnt eine Vorstellung im Zirkus von Robert Birk. Eine echte Gefahr allerdings besteht sicher für keinen der Zuschauer, denn bei den „Stars in der Manege“ handelt es sich um Flöhe.

Robert Birk lebt in Pörnbach

Robert Birk lebt in Pörnbach und hat im August den Flohzirkus erworben, in dem er seit 1984 mitarbeitet und der seit mehr als 50 Jahren am Münchner Oktoberfest zu sehen ist. 150 bis 180 Flöhe gilt es zu dressieren, damit jedes der verschiedenen Kunststücke von mindestens 15 Flöhen vorgeführt werden kann. „Bei drei Auftritte in der Stunde und etwa 500 Vorstellungen während dem kompletten Oktoberfest, müssen sich die Flöhe abwechseln. Außerdem befinden sich auch ständig welche bei der Fütterung, erklärt Birk.

Die Flohartisten bringen das Publikum zum staunen

Die Zuschauer staunen, wenn die winzigen Tiere zwar kleine, aber im Verhältnis zu den Flöhen riesig wirkende, vergoldete Wägelchen hinter sich herziehen, oder ein Karussell drehen. Flohtänzerinnen mit bunten Röckchen bringen das Publikum immer wieder zum Lachen und es wird nicht wenig gestaunt, wenn die Flöhe kleine Fußbälle durch die Luft katapultieren. Zirkusdirektor Birk erklärt den Zuschauern während der Vorstellung, was die Tier- und Menschenflöhe im Verhältnis zum Menschen leisten. So müsste ein Mensch mit einem Sprung auf dem Mount Everest landen, im Vergleich zum einem Meter weiten und bis zu 15 Zentimeter hohen Sprung eines Flohs. Für die Dressur von Flöhen sei in erster Linie Geduld notwendig, so Birk. „Weil Dunkelheit für die Flöhe eine Belohnung darstellt, stecke ich die Tiere nach jedem Kunststück in eine kleine, finstere Kiste. Mit der Zeit wissen sie, was sie tun müssen, um belohnt zu werden“ so der Zirkusdirektor.

Die Kunst der Flohdressur wurde einem Mönch zum Verhängnis

Eben diese Kunst der Dressur wurde einem Mönch zum Verhängnis. Er gilt als Erfinder des Flohzirkus, wurde allerdings verbrannt, da man ihm zu damaliger Zeit Hexerei nachsagte. Mit welcher Technik die etwa 0,2 Milligramm schweren Flöhe an den Kutschen befestigt werden, das ist ein Geheimnis. Birk verrät lediglich, dass sie mit einem 0,07 Millimeter dünnen Draht hinter dem ersten von drei Beinpaaren angebunden werden und dabei keine Lupe verwendet werde, denn „der Floh und meine Finger würden darunter im Vergleich zum Draht so riesig wirken, dass ich nicht arbeiten könnte“.

Floh-Fütterung im Zirkusbetrieb

Gefüttert werden die nicht in freier Wildbahn lebenden Flöhe morgens, 11 Uhr, bis nachts um 24 Uhr im dreistündigen Rhythmus. Hierzu werden die kleinen Sauger samt den Wägelchen auf dem Unterarm von Robert Birks Zirkuskollegen Peter Mathes platziert und können sich eine Stunde lang „den Bauch vollschlagen“. Dies bleibt den bis zu 25 Zuschauern pro Vorstellung, unter die sich auch jedes Jahr Stars wie beispielsweise Thomas Gottschalk mischen, allerdings im Verborgenen. Der Kommerz steht laut Robert Birk bei seinen Darbietungen nicht im Vordergrund. Vielmehr wolle er ein Traditionsunternehmen erhalten, das neben der Krinoline, dem Teufelsrad und den „Enthauptungen einer lebenden Person“ beim Schichtl zu den ältesten Schaustellergeschäften auf der Wiesn zählt.

Keine technischen Effekte

Aufwändiger Leuchtreklame oder technischer Effekte bedarf es zum Überleben nicht, denn allein die Neugierde der Leute und ein gewisser „Hauch von Nostalgie“ genügt, um ein altersmäßig gemischtes Publikum anzulocken. Für die Stammgäste, die den Flohzirkus alljährlich besuchen, ändert sich durch den neuen Eigentümer Robert Birk, der in Hettenhausen geboren ist und seit 1999 ein Transportunternehmen in Pörnbach betreibt, nicht viel. Der 42jährige ist bereits seit 20 Jahren für die Zirkusvorstellungen verantwortlich. Damals hatte er den aus einer alten Nürnberger Schausteller Dynastie stammenden und bisherigen Besitzer des Flohzirkus, Johann Mathes, kennengelernt und sozusagen als Flohdompteur bei ihm angefangen. Nach dem gesundheitlich bedingten Verkauf des Zirkus bleibt die Tradition der Familie Mathes allerdings weiterhin erhalten, denn Robert Birk betreibt sein Schaustellergeschäft zusammen mit Peter Mathes, dem Bruder des früheren Eigentümers.

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Wie Birk und Mahtes die Zeit vom 17. bis 3. Oktober überstehen, ohne Schlapp zu machen, dafür kennt Birk nur ein Rezept: „Multivitaminsaft und frische Luft, anstatt Hopfensaft und Bierzelt“. Der Aufbau des Zirkus-Schaustellerwagens wurde bereits Ende August erledigt, somit steht dem „Manege frei“ nichts mehr im Wege. Entwarnung kann Birk auch an die Ängstlichen des Publikums geben: „Sollte sich jemand einen Floh einfangen und irrtümlich mit nach Hause nehmen, bin ich nicht böse, solange man mir den Floh gut gefüttert am nächsten Tag zurückbringt“, schmunzelt der Zirkusdirektor.

 
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