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Flohzirkus Birk
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Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Oktober 1953 über den Flohzirkus:

Artistenlos unter der Lupe

Theodor ist der kleinste Star der Welt. Er ist drei Millimeter lang und wiegt zusammen mit 999 anderen Kollegen etwa fünf Gramm. Allein kann man ihn nämlich nicht wiegen. Zur Zeit schießt er vor zahlendem Publikum - während seines Auftrittes mehrere Elfmeter und Strafstöße mit einem winzigen Fußball aus Holundermark. Ein Prachtspitz von ihm geht etwa 15 Zentimeter weit. Vor drei Monaten war Theodor sogar beim Film engagiert, als Partner von Hannerl Matz. Sie brauchten ihn für „Arlette erobert  Paris". Augenblicklich aber gibt er ein Gastspiel auf dem Münchner Oktoberfest. Theodor ist ein Floh und sein Wirkungskreis ist der Flohzirkus.

Der kleine Künstler wurde auf dem Dürkheimer Wurstmarkts geboren. Er stammt aus dem Flohzwinger - des Schaustellers Mathes. Seine Flohmutter, zu ihrer Zeit eine berühmte Ballerina im Zirkus Mathes, legte damals 100 Eier, von denen dreißig ausgebrütet wurden. Von den zwanzig Brüdern mit denen Theodor gleichzeitig Welt kamen, gingen fünfzehn sofort „flüchtig und- fanden wahrscheinlich im grauen Pelz des Begleitschnauzels Stopsi eine ambulante Heimat.

Theodor wählte das Artistenlos. Meisterdompteur Mathes legte ihm eine Schlinge aus feinstem Golddraht um den zarten Hals, und heute kickt er unter den kritischen Lupen der Flohzirkus-Besucher den Liliputball auf ein streichholzschachtel großes Tor.

Der Tagesablauf eines Zirkusflohs

ist nicht uninteressant. Gewöhnlich ist erst um zwölf Uhr mittag großes Wecken, weil die Truppe bis elf Uhr nachts auf der Bühne steht. Theodor schläft mit vierzehn Kollegen in einer Manolischachtel. Nach dem Erwachen wird sorgfältig Toilette ge­macht und dann folgen einige Lockerungs­übungen. Kniebeugen und Kopfrollen. Eine halte Stunde später wird gemeinsam mit den Damen vom Ballett, die i-tüpferlgroße Krino­linen aus Stanniol tragen, das Frühstück eingenommen. Prinzipal Mathes führt dabei die kleinen Blutsauger an ihren Goldschlingen auf seinen Unterarm, in die Nähe der Ellenbeuge, wo sie zusammen ein Tröpfchen Venen-Kaffee trinken. Der Chef hat den anerkennenswerten Grundsatz: „Ich lebe von den Flöhen, also sollen die Flöhe auch von mir leben."

Nachmittags ist von zwei bis vier Uhr Bett­ruhe

im „Hotel Manoli". Anschließend Trainings- und Übungsstunde. Vollhüftige Flohdamen wiegen sich im Dreisprung-Tango oder fahren mit haselnußgroßen Biedermeierkutschen, die von minderen Sandflöhen gezogen werden, durch die Miniatur-Arena. Die männlichen Mitglieder des Ensembles dagegen stemmen Semmelbrösel oder üben sich im Tauziehen an einem ausgefallenem Haar des Unternehmers. Vor dem Auftritt gibt es für alle etwas Freizeit. In dieser blauen Stunde spielt der Theodor, so behauptet Dompteur Mathes, meistens Skat. Nach seiner Ansicht kann das niemand besser als ein Floh, weil der alles sticht.

Früher war der wackere Theodor in der Pause meistens hinter der Samba-Tänzerin Rosa her. Aber die elf Monate, die er heute zählt, sind in einem Flohleben etwa genau so viel wie bei einem Menschen siebzig Jahre. Und in diesem Alter macht selbst ein Floh keine großen Sprünge mehr.

 

Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Oktober 1953 über den Flohzirkus "Artistenlos unter der Lupe"

 
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